Vorwort zum Medienkonzept – zur Orientierung (Kritik erwünscht)

Technische Fortschritte haben einen massiven Einfluss auf unsere Gesellschaft. Wir als Grundschule Uelsen sind verpflichtet, die uns anvertrauten Kinder zu gesellschaftsfähigen Individuen zu erziehen. Diese Erziehung kann Medien nicht ausblenden oder nur theoretisch behandeln, sondern muss neue Medien als integrativen Bestandteil des täglichen Handelns (nach Marshall McLuhan) verstehen. Nicht erst seit Rezo, Emma Gonzales und Greta Thunberg wissen wir, dass gesellschaftliche Debatten und politische Prozesse durch technologische Möglichkeiten ganz neue Dimensionen und Erscheinungsformen aufweisen. Auf diese Gesellschaft müssen wir Kinder vorbereiten, wenn sie nicht nur stille Zuseher, sondern Gestalterinnen und Gestalter ihrer eigenen Zukunft sein sollen. Kinder werden nicht automatisch zu „digital natives“. Wie die Schreibschrift muss auch das Schreiben mit der Tastatur, wie das Lesen eines linearen Textes muss auch die Informationssuche im Internet geübt werden. Nicht als einzelnes Fach, sondern als natürlicher Bestandteil jeden Unterrichts. Dies bedeutet für uns als Schule, dass wir massiv in den Bereichen „technische Ausstattung“ und „Lehrkräfteweiterbildung“ investieren müssen, um den Kindern bestmögliche Voraussetzungen mitgeben zu können.

Material zu Kompetenznachweisen

Im Rahmen der Fachkonferenz Naturwissenschaften an der Inselschule Borkum wird das Konzept der Kompetenztests als alternatives Prüfungsformat im Mathematikunterricht vorgestellt und diskutiert. Dazu wird folgendes Material zur Verfügung gestellt:

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Jan Weber

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Das Slinky-Theorem der Schul- und Unterrichtsentwicklung

Ein Slinky ist ein bekanntes und beliebtes Spielzeug, in seinem Kern jedoch letztlich eine Spiralfeder in buntem, attraktiven Gewand. Halte ich diese am oberen Ende fest, hängt sie – getrieben durch die Schwerkraft – schlaff nach unten. Möchte ich die Form von unten verändern, ist stets ein Kraftaufwand nötig. Ob ich nach oben drücke oder von unten ziehe. Soll sich die Feder in ihrem Aussehen radikal verändern und neu ausrichten, gelingt dies nur, wenn ich das obere Ende los lasse. Ich gebe der Feder also mehr Freiraum. Die Veränderung passiert ganz automatisch und natürlich durch die äußeren Umstände.

Eben dieses Verhalten des Slinky beschreibt die Schul- und Unterrichtsentwicklung erstaunlich treffend. Alle Maßnahmen einzelner Lehrer ändern letztlich nicht das System. Tablet-Klassen, Leuchtturmprojekte, alternative Leistungsmessungen, Schülerpartizipation, Project Based Learning, agile Didaktik, Öffnung des Unterrichts, … Sie verschieben Rahmenbedingungen durch Druck oder Sog minimal von unten, doch von Weitem betrachtet verändert das System „Schule“ sein Aussehen nicht. Ein steter Kraftaufwand ist nötig, um als Einzelkämpfer gegen das herrschende System zu bestehen. Lässt dieser Kraftaufwand nach, so geht das System – völlig unbeeindruckt – in seinen Ursprungszustand zurück. Die viel geforderte Nachhaltigkeit wird so keinesfalls erreicht.

Was nötig ist, sind systemische Anreize „von oben“, die mehr Freiraum zulassen und so eine Entwicklung des Systems Schule zu einer im aktuellen gesellschaftlichen Kontext relevanten Institution zu gewährleisten und eine zukünftige, kontinuierliche Weiterentwicklung zu begünstigen.
Doch was soll der Einzelkämpfer im Lehrerkollegium mit dieser Erkenntnis anfangen? Wie gehen wir damit um? Den Kopf in den Sand stecken?

Schauen wir uns das System Schule zunächst genauer an. Denn wer etwas verändern will, sollte zunächst einmal wissen, was er verändern will. Das Schulsystem wie wir es heute kennen hat seine Wurzeln in einer Zeit des Umbruchs, der Veränderung und der gesellschaftlichen Unsicherheit. Humboldt, Freiherr vom Stein und die französische Revolution sind hier nur einige Schlagworte, die einen gesellschaftlichen Wandel zu mehr Eigenverantwortung aufzeigen. Dass die Schule heute nicht dem damals gewünschten Ideal entspricht ist kurz und knapp den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschuldet. Diese sind direkt mit dem kulturellen Einfluss des Buchdrucks verbunden. Das Schulsystem, wie wir es bis heute vorfinden, ist also ein auf dem Buchdruck fußendes Gebilde. Dies zeigt sich an einigen Analogien. So ist das Buch durch meist einen (selten auch mehrere) Autor(en) bestimmt. Der Inhalt ist klassischer Weise linear aufgebaut und folgt einem klaren, dem jeweiligen Genre entsprechenden Muster. Und eben so funktioniert auch die Schule. Sie ist von einem Lehrer bestimmt, der die Inhalte in linearer Abfolge darbietet. Jede Unterrichtsstunde entspricht einem klar definierten Muster. Oft müssen diese im Rahmen der Lehrerausbildung noch minutengenau geplant werden.
Auf einen Vergleich des Verlagswesens mit dem Bildungsföderalismus möchte ich an dieser Stelle verzichten.

Unsere heutige Gesellschaft fußt zwar noch immer auf den Erfindungen von Gutenberg, doch haben Computer und Netzwerke eine viel höhere Bedeutung für die Abläufe des alltäglichen Lebens. Man könnte also sagen, wir leben heute in einer Turing-geprägten Welt. Texte sind digital anders als ein gedrucktes Buch. Sie können dezentral, kollaborativ geschrieben sein. Haben also oft keinen klaren Autor und es wird kein Gatekeeper (Verlag) benötigt, der über eine Veröffentlichung entscheidet. Texte im Netz sind grundsätzlich nicht linear und ist ein Text doch linear, so muss er nicht so gelesen werden. Querverweise, mediale Brüche aus Text, Bildern, Audio und Video sind keine Seltenheit. Es gibt kein klares Muster.
Ein Unterricht, der dieser Kultur entspringt hätte vermutlich ziemlich wenig mit dem gemein, was wir heute in deutschen Schulen erleben. Es gäbe nicht den einen Lehrer, der alle Aufgaben von Erklären über Beraten bis Prüfen in sich vereint. Es gäbe keine so klaren zeitlichen Strukturen