Medienkonsum – Expertin warnt vor Smartphones / Kommentar

Ich beziehe mich auf einen Artikel von nwzonline am 11. März.  Zum besseren Verständnis hier in Auszügen zitiert.

„Wir müssen den Lehrern die Angst vor den neuen Medien nehmen“, hatte Eyk Franz, einer der Organisatoren der Tagung, betont.

Interessant und wichtig ist hierbei zu betonen, welche Angst gemeint ist und wovor man Angst haben könnte. Die Angst vor Verblödung? Die Angst, dass die SchülerInnen lieber snapchatten statt dem Lehrervortrag zu folgen? Die Angst vor Überforderung? Die Angst, neues lernen zu müssen? Die Angst, dass die Schule ihre Wissenshoheit verliert und ihr Selbstverständnis neu überdenken muss?

„Da sollten die Grundschulen weiter konsequent bleiben. Das ist insbesondere für Kinder wichtig, die von ihren Eltern beim Umgang mit Smartphones und Tablets nicht so geschützt werden, wie es eigentlich nötig wäre“, betonte die Referentin und ermunterte die anwesenden Eltern, ihre Kinder so lange wie irgend möglich von Smartphones und Tablets fernzuhalten.

Hier wird doch ein wenig arg pauschalisiert. Nicht der Umgang mit einem Smartphone ist hier verwerflich. Viel eher ist doch folgendes in den Straßen zu beobachten: Mütter und Väter schreiben Whatsapp oder schubsen Facebook während sie mit ihren Kindern durch die Straßen wandern. Wenn diese Kinder von diesen Vorbildern das Smartphone als Berieselungsinstrument kennenlernen, ist es doch kein Wunder, dass die Kinder das Smartphone oder Tablet als Spielgerät und Berieselungsinstrument in der Güte des RTL2-Nachmittagsprogramms wahrnehmen.

„Das abstrakte Denken, die höchste Stufe der Denkentwicklung, kann nicht ausgebildet werden, wenn schon vor dem zwölften Lebensjahr regelmäßiger Gebrauch des Smartphones oder vielstündiges Fernsehen vorhanden war. Die Bilderflut aus den digitalen Medien nimmt den direkten Weg ins Belohnungszentrums des Gehirns. So kann der normale Informationsfluss ins Gehirn, der über die Lebenserfahrung läuft, nicht ausgebildet werden.“

Hier wiederholt sich eben diese Verallgemeinerung erneut. Gebrauch von Smartphones und Fernsehen werden auf eine Stufe gestellt. Dabei wird jedoch nur ein kleiner Teil der möglichen Einsatzszenarien eines Smartphones bedacht. Die Möglichkeiten der Produktion, des Schaffens und des Kommunizierens werden (bewusst) ausgeblendet.

Wann und wo also, wenn nicht in der Schule, solle denn der geeignete Ort und die geeignete Zeit für Kinder sein, einen verantwortungsvollen, produktiven, lernförderlichen Umgang mit einem Medium kennen zu lernen, wenn nicht in der Schule? Ist es nicht die zwingende Aufgabe der Schule, diese Fähigkeiten ebenso zu vermitteln wie einen Sachtext mit Hilfe von Lesestrategien zu erfassen? Das ist ebenso eine Fähigkeit, die Kinder nur selten von ihren Eltern lernen, sondern sich durch Schulbildung aneignen.

Dazu reicht es natürlich nicht aus, WLAN und Tablets in die Klassenzimmer zu werfen. Es braucht Lehrende, die mit diesen technischen Möglichkeiten selbst produktiv und lernwirksam umgehen, um eben dies auch den Lernenden zu vermitteln. Wenn ich selbst das Smartphone nur dazu benutze, durch Facebook zu scrollen und Bilder von meinem Mittagessen an meine Freunde zu verschicken, brauche ich mich nicht der Illusion hingeben, meinen SchülerInnen Medienkompetenz vermitteln zu können.

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