Flipped Classroom im Unterrichtsbesuch

Ich habe mal einen Unterrichtsbesuch in Mathematik im Flipped Classroom gemacht. Bevor sowas auf der Festplatte versauert, hier ein Auszug:

Die Unterrichtsreihe ist wochenweise organisiert. In jeder Woche wird ein Körper in den Fokus genommen, die Reihenfolge entspricht dem Übersichtsblatt Formelsammlung zu Oberflächen und Volumen im Anhang. Dieses Übersichtsblatt dient einerseits zur Orientierung im Thema und zur Vorbereitung auf die Klassen- und Abschlussarbeit.
Jede Woche folgt dem gleichen Schema und dem Prinzip des Flipped Classroom (vgl. Sebastian Schmidt 2016). Hierbei werden Input- und Übungsphase der klassischen Unterrichtsmodelle getauscht. Das grundlegende Wissen zu einem Thema (hier: Merkmale eines Körpers und Formeln zur Berechnung von Volumen und Oberfläche) wird den SchülerInnen über ein von der Lehrkraft erstelltes Lernvideo zur Verfügung gestellt. Dieses können die Schüler so häufig anhalten, vor- und zurückspulen, wie es zum Verständnis nötig ist. Die SchülerInnen nutzen dieses Video, um ihre eigene Formelsammlung zu ergänzen. Im Unterricht selbst wird somit mehr Raum für Übungen und Vertiefungen des Lernstoffes geschaffen. Auch nach einem Erklärvideo können bei einzelnen Schülern Fragen offen bleiben. Diese können jetzt aber individuell im Gespräch besprochen werden, während starke SchülerInnen ihre Lernzeit in der Schule effektiver nutzen können. (Vgl. Joachim Herz Stiftung 2016) Dadurch verändert sich auch die Rolle des Lehrers vom reinen Wissensvermittler zum Lernbegleiter. Vorhandene Unterstützungsstrukturen der SchülerInnen untereinander werden ebenfalls genutzt und verstärkt.
Die Aufgaben sind nach Kompetenzbereichen gegliedert. Basisaufgaben umfassen beispielsweise alle Aufgaben, die ein Schüler verstanden haben muss, wenn er in einer Prüfung eine ausreichende Leistung erzielen will. Dies sind gleichzeitig die Aufgaben, die grundlegend verstanden sein müssen, um in der darauffolgenden Woche den nächsten Körper behandeln zu können. Ein schwacher Schüler wird vermutlich nicht weit über diese Basisaufgaben hinauskommen, er hat aber ausreichend Zeit, diese gewissenhaft und vollständig zu bearbeiten, Hilfe zu erhalten und so die Basis für weitere Lernthemen zu erhalten. Es werden also Lücken vermieden, die das Lernen in der Zukunft einschränken. Leistungsstarke Schüler hingegen können schnell zeigen, dass sie grundlegende Aufgaben verstanden haben und können so schneller zu komplexen Aufgaben übergehen. Für diese bleibt ihnen dann mehr Zeit. Der Flipped Classroom ist also auch ein Instrument der Individualisierung und Förderung in jeder Leistungsstufe, solang die Übungsaufgaben sinnvoll aufeinander aufbauend strukturiert und reichhaltig sind. Eine Reflexion im klassischen Sinne am Ende jeder Stunde ist hier jedoch nicht sinnvoll. Am Ende jeder Woche sollen aber die erlangten Fähigkeiten gemeinsam angewendet werden und eine Anwendungsaufgabe als Wochenreflexion im aktiven Plenum gemeinsam gelöst werden. Eine mögliche Erweiterung könnte hier sein, dass die SchülerInnen aus dieser Aufgabe eine Musterlösung erstellen und dazu ein eigenes Erklärvideo aufnehmen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s