#edchatde Nachlese: Stress- und Zeitmanagement für Lehrer

F1 Der Lehrerberuf ist sehr stressig, wird ständig mehr mit Aufgaben überfrachtet, kaum zu schaffen: Stimmt’s? Konkret bitte! #EDchatDE
Das stimmt mit Sicherheit. Teilweise. Ich bin noch nicht lange genug im Beruf, um wirklich eine Entwicklung über Jahrzehnte hinweg reflektieren zu können. Doch das können andere aus dem #edchatde, wie @urshenning.

Es scheint also festzustehen, dass für das, was eigentlicher Kern der Arbeit sein sollte – guten Unterricht planen, durchführen und reflektieren – oft nicht genug Zeit bleibt. Ich selbst freue mich regelrecht, wenn ich mir die Zeit nehmen kann, den Unterricht gut und ausführlich zu planen. Aber das klappt natürlich auch nur, wenn gerade nicht Abschlussprüfungen korrigiert, Konferenzen gehalten oder die nächsten Klassenfahrten pädagogisch aufs Kleinste durchgeplant werden müssen. Auch dort bin ich nicht allein:

Ein ganz besonderer Fall sind da die Lehrer der Primarstufe, die besonders viel, oft und aufwendig differenzieren müssen und dann auch noch die höchste Stundenzahl haben.

F2 Lehrer arbeiten unterschiedlich effizient. An welchen Stellen gibt es selbst verschuldeten Stress, der als Belastung erlebt wird? #EDchatDE

Selbst verschuldeter Stress hat nicht zwingend etwas mit Effizienz zu tun. Ich kann die gleiche Arbeit in der gleichen Zeit erledigen und dabei Stress empfinden oder entspannt sein. Nicht die bloße Arbeitsdauer ist hier wichtig, sondern auch der Zeitpunkt, wann ich die Arbeit beginne und, wo ich arbeite. Mich persönlich stresst vor allem die Arbeit, die ich zu Hause, am Wochenende, am Abend oder in einer Kombination daraus erledige. Das ist dann eine große Belastung. Hier kann eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben dienlich sein:

Aber natürlich ist auch die Art der Arbeit entscheidend. Formulare, Berichte, Pläne, die für den Aktenschrank oder den Papierkorb geschrieben werden lösen bei mir eine starke innere Verachtung aus. An solche Arbeiten setze ich mich äußert ungern. Da können alle äußeren Faktoren noch so ideal sein, ich am Strand bei bestem Sonnenschein liegen, das bleibt immer eine Belastung.

Vielleicht sollte man auch manchmal den selbstgeforderten Perfektionismus nicht ganz so ernst nehmen. Nicht jede Stunde ist das 3. Staatsexamen.

F3 Gibt es an Deiner Schule Mechanismen, Rituale, um der ständig wachsenden Belastung entgegen zu wirken? #EDchatDE

Der Stress durch die Heimarbeit wird wohl keine Schule lösen können. Da ist wohl eher Selbstdisziplin gefragt. Aber das empfindet sicherlich jeder Lehrer anders. Was für den einen Stress ist, ist für den anderen angenehm. Ein Ritual, das aber dem allgemeinen Stress entgegenwirkt ist ein regelmäßig stattfindender Teamnachmittag im Lehrerzimmer. Hier setzen sich alle Teamlehrer einer Jahrgangsstufe zusammen und können sich über Planungen von Fahrten, aktuelle Probleme bei SuS, etc. austauschen. Dieses Ritual trägt – für mich – zur Entstressung bei, da sonst Gespräche oft nur in der Pause geführt werden und manche Themen doch mehr als 5 Minuten Zeit benötigen. Die eierlegende Wollmilchsau des Stressabbaus scheint es aber nicht zu geben. Stress scheint ein subjektives Empfinden zu sein und daher muss dem auch möglichst individuell entgegengesetzt werden.

F4 Wie organisierst du Arbeitsprozesse (Workflow) so, dass selbstverschuldete Stressfaktoren minimiert werden? #EDchatDE

Ich versuche vor allem zu vermeiden, Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Denn ist die Klassenarbeit ein mal zu Hause, ist sie nie wirklich weg und die Gedanken kreisen doch ständig darum, ob die Bepunktung der Erörterung in Aufgabe 3 richtig gewählt ist.

Daher halte ich meine Lehrertasche so klein wie möglich. Ich möchte gar nicht erst in Versuchung geraten, Arbeit mit nach Hause zu nehmen.

Was ich zu Hause mache und auch zu Hause machen möchte, ist die Unterrichtsvorbereitung. Da diese bei mir komplett digital erfolgt, reicht die Lehrertasche im Format einer A4-Heftmappe aus. Auch dieser Trend scheint sich bei den Teilgebern breit zu machen.

F6 Stress wird subjektiv unterschiedlich erlebt. Woran liegt es, wie kann man selbst die Stresswahrnehmung steuern? #EDchatDE

Dass Arbeiten, die man erst kurz vor dem Stichtag beginnt, Stress verursachen, ist nichts neues. Darüber hinaus wird mein persönliches Stressempfinden erhöht, wenn ich, wie oben beschrieben, für „Ablage P“ arbeite. Es sind also solche Arbeiten, die eine besondere Belastung hervorrufen, die keine wirkliche Konsequenz nach sich ziehen. Natürlich wäre eine positive Konsequenz jedem am liebsten, doch überhaupt eine Konsequenz scheint um längen besser als überhaupt kein Feedback. Feedback. Ein gutes Stichwort. Wenn ich eine Arbeit leiste, zu der ich für gewöhnlich kein direktes Feedback bekomme, sollte ich dafür sorgen, mir eines einzuholen. Nicht für jede Unterrichtsstunde, natürlich. Das kann natürlich ein Fragebogen sein, aber manchmal hift es schon, die Schüler(innen) zu fragen, ob ihnen X oder Y beim Lernen geholfen hat, oder was nicht so gut war. Die sind da erstaunlich ehrlich!

Daneben sollte man nie vergessen, seinen Horizont zu erweitern. Abwechslung heißt das Zauberwort. Verbissenheit bringt niemanden weiter. Sport ist hier oft das Mittel der Wahl.

Das schützt in letzter Konsequenz auch vor unüberlegten Handlungen. Abwechslung begünstigt auch das Durchatmen und Überlegen.

F7 Könnten verfügbare digitale Infrastruktur und entsprechende Anwendungen helfen, Stress zu mindern? Wie und was? #EDchatDE

Kann digitale Infrastruktur helfen? Ja. Vor allem dort, wo viel Zeit für Arbeiten „verschwendet“ wird, die eigentlich automatisiert ablaufen kann. Warum soll ich selbst Multiple-Choice-Fragen auswerten, wenn es InstaGrade gibt? Warum selbst ein Lernvideo zur Zusammenfassung erstellen, wenn es schon gute z.B. bei ivi-unterricht.de gibt? Viele Dinge lassen sich zentralisiert outsourcen, für die eine Lehrerarbeitsstunde pure Verschwendung wäre, weil sie letztlich jeder gut trainierte Affe erledigen kann. Und wenn es nur das Eintragen von Terminen ist.

Aber auch hier lauern Gefahren. Wenn ich alles digitalisiere, sollte ich auch immer reflektieren, ob es mir wirklich hilft oder ob ich mehr Zeit in die Auswahl und Pflege von Hard- und Software stecke, als sie mir erspart.

Aber grundsätzlich halte ich es mit Ines:

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