Etherpads im Unterricht – gewinnbringend

Voraussetzungen für den Einsatz im Unterricht

Ein Etherpad ist eine tolle Sache. Internet, wie es sein sollte. Verschiedene Autoren können gemeinsam in einem Textdokument schreiben, sich gegenseitig verbessern, Anmerkungen machen, Lösungen entwickeln. Und das browserbasiert, also unabhängig vom Betriebssystem. Es scheint, ein ideales Tool für den Unterricht.

Die Voraussetzung für den Einsatz im Unterricht sind vergleichsweise simpel: Jeder Schüler benötigt ein Endgerät mit Browser und Internetzugang (selbst gedrosselte Smartphonetarife funktionieren hier gut, es wird nach dem initialen Download nur Text übertragen.).

Vorteile für den Lernerfolg

Auch ein Etherpad sollte man nicht einsetzen, nur weil es geht. Es sollte für den Lernerfolg der Schüler auch immer einen Mehrwert zur Arbeit mit Papier und Stift geben. Beim Etherpad ist der Mehrwert vor allem im Bereich des kollaborativen Schreibens zu suchen. Den größten Nutzen hat ein Etherpad dort, wo Autoren nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind und dennoch miteinander Arbeiten wollen. In der Schule sind i.d.R. alle Schüler im Klassenraum. Dies ist also kein Vorteil für den Unterricht.

Der Vorteil für den Unterricht besteht aber genau in dieser Funktion, dem gemeinsamen, gleichzeitigen Bearbeiten eines Dokuments. Hier kann (und sollte) es durchaus passieren, dass Schüler A etwas in das Etherpad schreiben möchte, was Schüler B bereits geschrieben hat. Hierbei überprüfen und bestätigen sich die Schüler gleichzeitig. Die Lösung, die (fast) alle Schüler zu einer Frage schreiben, wird meist richtig sein. Andererseits wird hier für den Lehrer schon während der Bearbeitung der Aufgaben deutlich, welche Aufgaben / Lösungen am Ende der Unterrichtsstunde genauer besprochen werden müssen. Nämlich diese, die keine einheitlichen Schülerlösungen aufweisen. Wie genau das aussehen kann, werde ich noch später an einer Unterrichtsstunde zeigen.

Beispiel für den Unterrichtseinsatz

Die erste Stunde, in der die Klasse ein Etherpad einsetzt, kann man gleich vergessen. Was ich damit sagen möchte: Inhaltlich wird hier nicht allzu viel hängen bleiben. Die Schüler (also die Angehörigen der Generation Z, die ach so medienkompetent sind) müssen sich zunächst einmal mit dem Etherpad als Tool vertraut machen. Als Thema der Stunde bietet sich also hier eine Wiederholung und Vertiefung eines bereits besprochenen Themas an. Hier habe ich drei Hauptgruppen von Schülern beobachtet.

  1. Schüler, die sich schnell darauf einlassen und vertraut machen. Diese Erledigen die gestellten Aufgaben recht schnell.
  2. Schüler, die die Funktionen des Etherpads ausreizen, den Chat spamen, das Textdokument als Chat „benutzen“ und schnell Regeln benötigen.
  3. Schüler, die mit dem Konzept des gemeinsamen Bearbeiten eines Dokuments überfordert sind und sich erst nach und nach darauf einlassen.

Erschreckenderweise stellt in der Generation Z die Gruppe 3 meiner Beobachtung nach den Großteil einer Klasse dar. Es wird also wieder deutlich: Wer Sprachnachrichten aus Whatsapp versenden kann, ist noch lange nicht medienkompetent.

Es gehören also gemeinsame Regeln aufgestellt. Wie beim Reden miteinander sollte man sich auch beim Schreiben aussprechen/-schreiben lassen. Zwar ist es möglich, gleichzeitig zu schreiben, jedoch sollte je Autor eine eigene Zeile im Dokument verwendet werden.

Möchte Schüler A etwas schreiben, was Schüler B schon geschrieben hat, sollte die Antwort nicht doppelt notiert werden, um die Übersichtlichkeit zu bewahren. Es ist jedoch möglich, seine Zustimmung zu einer schon notierten Lösung auszudrücken, indem man ein (+1), (+2) etc. schreibt. So wird direkt Zustimmung und damit Bestätigung deutlich.

Sind die Regeln klar und die Schüler mit dem Etherpad vertraut, bietet es sich an, das Etherpad so vorzubereiten, dass sowohl die Aufgabenstellung, ggf. Links zur Aufgabenstellung und die Struktur der Lösungen vorgegeben ist. Ein Beispiel zum Thema Fragetechniken könnte so aussehen:

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 16.07.08.png

Entscheidend hierbei ist, dass Fragen aus den Interviews direkt kopiert werden können. Es wird also Zeit beim Abschreiben der Fragen gespart und die Schüler können mehr Zeit darauf verwenden, über ihre Lösungen nachzudenken. Die Lernzeit wird auf das Ziel des Unterrichts hin also effektiver genutzt.

Viele der Lösungen werden dabei schon während der Arbeitsphase durch die Mitschüler bestätigt. Die Reflexion findet also zum Teil schon hier statt.

Sind alle Fragen kategorisiert, kann der Lehrer in der abschließenden Reflexion schon unklare Lösungen vorauswählen und diese zur Diskussion stellen. Da so nicht alle Lösungen besprochen werden müssen und für unklare Punkte mehr Zeit zur Diskussion bleibt, ist auch hier der Unterricht effektiver und damit der Lernerfolg für jeden einzelnen Schüler höher.

Kritik

Ein offensichtlicher Kritikpunkt ist bei der Beschriebenen Einsatzmöglichkeit, dass sich einzelne Schüler zurücklehnen können und das eigene Denken einstellen, da die anderen ja die Arbeit erledigen.

Meiner persönlichen Beobachtung bei meinen Lerngruppen nach kann ich das jedoch nicht bestätigen. Eher ist es eine zusätzliche Motivation für viele, eine Lösung vor allen anderen zu finden, die dann von den Mitschülern nur noch bestätigt werden kann.

Schüler, die sich bei der Arbeit mit Etherpads nicht auf die Unterrichtsinhalte konzentrieren und dazu neigen, Lösungen von anderen abzuwarten, sind i.d.R. genau die Schüler, die beim Einsatz klassischer Unterrichtsmedien das gleiche Verhalten an den Tag legen. Der einzige Unterschied hierbei: Beim Einsatz eines Etherpads fallen solche Schüler sofort auf.

Etherpads für den Unterrichtseinsatz

Natürlich ist die schönste Lösung, ein Etherpad auf dem schuleigenen Server zu hosten. Wo das nicht möglich ist, muss man auf fremdgehostete Pads ausweichen. Empfehlenswert sind:

http://zumpad.zum.de

http://etherpad.nibis.de

 

 

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