Das iPad als Interactive Whiteboard

Gründe für ein Interactive Whiteboard (IWB)

Ob SMART-, Activboard oder iPad – die Frage nach dem Sinn der digitalen Tafel möchte ich voranstellen. Wozu braucht man das eigentlich? Die Kreidetafel tut doch auch ihren Dienst. Eben nicht. Die Kreidetafel ist ein Kompromiss, der zwischen erforderlichem Nutzen und praktischen Nachteilen taxiert. Ob digital (IWB) oder analog (Kreidetafel), sie dienen stets dazu, Notizen, Schaubilder, etc. allen sichtbar zu machen, Ergebnisse zu sammeln, oder eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu formulieren. All das kann die Kreidetafel eher schlecht als recht. Der Schreibende steht mit dem Rücken zur Gruppe. Der Schreibende muss in ungewohnter Größe und Handhaltung schreiben. Der Schreibende muss überhaupt schreiben und kann sein Ergebnis nicht im Original der Gruppe Präsentieren. Kreide an den Fingern ist echt „bäh“. Möchte ich den SuS Fotos oder Videos zeigen, bietet die Kreidetafel dazu keine Funktion. Ich könnte ewig so weitermachen…
Wenn die Kreidetafel also ein Kompromiss ist, sollte man sich die Frage stellen, ob es nicht einen anderen Kompromiss mit mehr Vor- und weniger Nachteilen gibt. Das IWB ist sicherlich nicht perfekt und viele Kritiker haben sicherlich im Kern auch recht, doch sollte man Tafel vs. IWB nicht komplett schwarz, weiß oder grün sehen.

IWB-Tafel oder iPad & Beamer?

Das IWB als fest installierte Tafel mit Activboard oder SMART-Board Software ist momentan (2015) sicherlich die verbreitetste Version des Interactive Whiteboard. In der Praxis zeigen sich jedoch Mängel.
Die IWB-Tafel steht fest in einem Raum. Daher muss sich jeder Lehrer zu Beginn der Unterrichtsstunde in sein Benutzerkonto einloggen. Die Nutzerverwaltung geschieht i.d.R. auf einem Schulserver und solang nicht jede Schule neben einem Hausmeister auch einen Systemadministrator besitzt, funktioniert das Netzwerk nicht verlässlich. Dazu kommt, dass IWB-Tafeln vergleichsweise teuer sind und daher (von einigen Leutturmprojekten abgesehen) nicht flächendeckend in allen Klassenräumen installiert sind. Möchte ich als Lehrer meinen Unterricht voll auf das IWB abstimmen, bekomme ich Probleme, sobald der Raumbelegungsplan keine freien Kapazitäten mehr hat und ich in einen Raum mit Kreidetafel ausweichen muss. Ist eine IWB-Tafel im Klassenzimmer installiert, ist die meist die einzige Tafelfläche. Auch als Nerd-Lehrer muss man sich eingestehen, dass die Kreidetafel in Einzelfällen einen Vorteil bietet. Wenn in unteren Klassenstufen bspw. das richtige Anlegen eines Geodreiecks zum Messen von Winkeln erklärt wird, ist die haptische Erfahrung an der Kreidetafel dem Softwarelinieal auf dem IWB überlegen. Würde man also flächendeckend IWB-Tafeln installieren, wäre es nicht nur teuer, man würde auch das gesamte Kollegium zum Einsatz zwingen. Das iPad mit Beamer bietet hier wesentlich mehr Vorteile. Zunächst ist es wesentlich günstiger und flexibler. Es müssen auch nicht gleich fest installierte Beamer in jedem Raum sein. Es reicht zu Beginn, Leihgeräte in Schulbesitz zu haben. Dort lassen sich dann natürlich nicht nur iPads, sondern auch beliebige andere Geräte anschließen. So kann jeder LuL seine präferierte Plattform selbst wählen. Ob das über BYOD oder Arbeitsgeräte abläuft oder ablaufen sollte, steht auf einem anderen Blatt. Das Anmelden in ein Benutzerkonto fällt weg, weshalb der Einsatz grundsätzlich auch unabhängig von einem funktionierenden Netzwerk möglich ist. Das iPad ist im Bildungssektor weit verbreitet und bietet viele Applikationen, die über den Beamer so allen SuS zugänglich gemacht werden können.

Exemplarische Unterrichtsszenarien

Besprechung von verschriftlichen Ergebnissen / Hausaufgaben

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Das iPad verfügt im Gegensatz zur Kreidetafel über eine Kamera. Das Schülerheft wird also fotografiert und der Schüler kann an seinen originalen Aufzeichnungen seine Vorgehensweise erklären. Anders formuliert: Wie oft ist es schon vorgekommen, dass SuS beim Abschreiben von Lösungen an die Kreidetafel neue Fehler gemacht haben, die im Heft noch nicht waren? Das führt zur Verunsicherung der anderen SuS, kostet Zeit und damit Unterrichtserfolg. Software der Wahl ist hier für mich GoodNotes mit einem Eingabestift.
Winkel als Kursangabe bei der Navigation mit dem Kompass

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Räumliches Denken fällt oft schwer. Karten lesen auch. Und wenn dann noch das Geodreieck mit den vielen Zahlen dazu kommt, ist für viele Mittelstufenschüler der Zug abgefahren. Vor allem, wenn dieses komplexe Gebilde mit einer 3 mal 4 cm großen Karte und einem Flugzeug illustriert ist. Aber das iPad kann auch da etwas, was die Kreidetafel nicht kann: Die Flugsimulation X-Plane 10 starten und die Navigation mit der Gradeinteilung am Kompass „live“ nachvollziehen.

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